Erasmus+ Award Gewinner-Schule 2023 GIBS teilt interne Erfolgsfaktoren!

2. Mai 2024 Wirkungpersönliche Ebeneinstitutionelle EbeneBereichSchulbildung
Gruppenfoto Gewinner-Organisation Erasmus+ Award 2023, Schulbereich GIBS
Die erfolgreiche Umsetzung des Erasmus+ Gemeinschaftsprojekts an der GIBS beruht auf dem Engagement aller Beteiligten und dem entscheidenden Einsatz von Direktorin Edda Berger-Cian erklärt Erasmus+ Koordinator Markus Trofaier. Eine klare Aufgabenverteilung und definierte Verantwortungsbereiche sind weitere Erfolgsfaktoren. Weitere wichtige Aspekte werden im Interview beleuchtet.

Ihre Schule hat den Erasmus+ Award 2023 mit Fokus auf Mobilität und deren Wirkung vergangenes Jahr gewonnen. Wie haben Sie es geschafft, das Programm für sich und Ihre Schule so zu nutzen, um nachhaltige Wirkung zu erzeugen? Was ist Ihr Geheimrezept?

Welches sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Zutaten?

Unser Erasmus+ Award ist das Ergebnis eines großen Gemeinschaftsprojekts und zeigt was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen. Die Erasmusarbeit ist auf mehrere Schultern verteilt und Zuständigkeiten klar abgesteckt: die Schulleitung trägt die Endverantwortung und garantiert die Einhaltung der Erasmus-Qualitätsstandards, der Erasmuskoordinator garantiert das Erreichen der Erasmus-Ziele, das Erasmus-Kernteam kümmert sich um die Vollständigkeit aller relevanten Dokumente (Learning Agreements, etc.) und überblickt die Finanzen (Auszahlungen nur nach dem 4-Augen-Prinzip), und die Sprachenlehrer:innen beraten und betreuen Schüler:innen in Sachen Mobilitäten. Dieser Aufbau von Strukturen und Verantwortungsbereichen war ein Prozess, der uns zu Beginn unser Akkreditierung viel Zeit gekostet hat, mittlerweile aber der Grund für unsere Effizienz geworden ist: Teilnehmer:innen von Mobilitäten haben immer Ansprechpartner, Fragen können schnell geklärt werden.  

Oberste Priorität hatte bei uns von Anfang an, dass die Erasmusgelder so vielen Teilnehmer:innen wie möglich zugute kommen: das heißt, wir wollten kein elitäres Fördersystem haben, das nur wenige Auserwählte unterstützt, sondern ein breit gestreutes Netzwerk an finanzieller Unterstützung schaffen – je mehr Mitglieder unserer Schulgemeinschaft wir mobil machen können, desto besser. Dass wir mit diesem Ansatz unsere Erasmus-Zielvorgaben nicht nur erreichen konnten, sondern sogar noch übertreffen, freut uns sehr und bestätigt unseren nachhaltigen Weg.

Ich glaube nicht, dass es ein Geheimrezept gibt. Denn ein Geheimrezept würde bedeuten, dass es so etwas wie einen versteckten Zugang, einen Informationsvorsprung oder sonstiges gibt, was nur wenigen Eingeweihten mit den „richtigen“ Kontakten und Beziehungen vorbehalten ist. Erasmus ist das Gegenteil von alldem, denn Erasmus steht (wie auch Europa selbst) für Transparenz, Demokratie und Gleichheit. Anders gesagt, was wir mit unserer Erasmusförderung gemacht haben, kann jede Schule schaffen. Die Zutaten hierfür sind schlicht und einfach Überzeugung und Teamarbeit: erstens ist Europaarbeit ohne Überzeugung meiner Meinung nach nicht möglich, denn wer für Toleranz, Respekt und Vielfalt eintritt, sollte diese Werte auch selbst leben. Zweitens steckt hinter Europa die Überzeugung, dass man gemeinsam mehr ist als die Summe der Einzelteile – auch diese Idee sollte sich in der Schule wiederfinden.

Um nachhaltige Wirkung zu erzeugen, auch auf institutioneller Ebene, bedarf es des „Commitments“ der Direktion aber auch des Lehrkörpers.  Musste Überzeugungsarbeit geleistet werden und wie konnten auch skeptische Kolleg/innen, Schüler/innen etc. mit ins Boot geholt werden?

Nachdem ich seit 2017 für die Erasmusaktivitäten unserer Schule verantwortlich bin, kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass das Commitment der Direktion einen enormen Einfluss hat: Frau Mag.a Berger-Cian zeigt eine besonders unterstützende und wertschätzende Haltung gegenüber der Erasmusarbeit an unserer Schule, was mit Sicherheit eines der Erfolgsrezepte ist. Die oben genannten Strukturen stellen nicht nur sicher, dass es eine klare Aufgabenverteilung gibt, sondern auch verbindliche Zuständigkeiten, die von Seiten der Schulleitung, wenn nötig auch eingefordert werden könne. Man darf nicht vergessen, dass Lehrer in einer Schule untereinander gleichgestellte Kollegen, und nur der Direktion gegenüber weisungsgebunden sind. Kurz gesagt, die Ernsthaftigkeit von Erasmus-Strukturen steht und fällt mit der Unterstützung der Schulleitung.

Als internationale UNESCO Schule ist die Verantwortung für nachhaltige Europaarbeit in unserer DNA verankert. Überzeugungsarbeit war somit nicht notwendig. Trotzdem bedeutet jede Umstellung auch eine Veränderung, vor allem für Lehrer:innen, weshalb die administrativ-bürokratischen Details unserer Erasmusaktivitäten (Learning Agreements, Beratung und Betreuung von Schüler:innen im Ausland, etc.) vom Erasmus-Kernteam sehr behutsam und begleitend eingeführt wurden.

Welchen Mehrwert sehen Sie für Ihre Schule durch die Teilnahme an dem Programm?
Hat sich durch die Teilnahme am Erasmus+ Programm etwas in Ihrer Organisation und über diese hinaus verändert, z.B. in der Elternschaft oder in der regionalen Zusammenarbeit mit anderen Organisationen? 

Wir konnten in den ersten 3 Jahren seit unserer Akkreditierung mehr als 350 Mitglieder unserer Schulgemeinschaft mobil machen – diese Zahl allein würde den Mehrwert schon mehr als genug verdeutlichen. Darüber hinaus entwickelt sich unsere Schule immer mehr zu einem Zentrum für Europäisierung und Internationalisierung: wir haben mittlerweile so viele Gastschüler:innen (aus unseren europäischen Partnerschulen) und Lehrer:innen, die für Job-Shadowings zu Besuch sind, dass es eine Herausforderung ist den Überblick zu behalten. Weiters empfangen wir auch ganze Gruppen an Lehrer:innen, die zu Hospitationszwecken von der Bildungsdirektion Steiermark an unsere Schule geschickt werden. Schlussendlich nehmen wir auch unsere Rolle als Multiplikator wahr und geben unsere Erfahrungswerte gerne weiter. So konnten wir der AHS Reininghaus, sowie zwei Partnerschulen in Murcia und Elche beim Aufbau der Erasmusstrukturen helfen.

Was würden Sie sich von der Europäischen Kommission oder dem OeAD als nationale Agentur in Österreich oder auch der Bildungsdirektion wünschen? An welchen Schrauben müsste gedreht werden, um noch mehr Menschen für das Programm begeistern zu können oder eine nachhaltigere Wirkung zu erzeugen?

Zuerst einmal, auch an dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Nationalagentur für die Geduld, die kompetenten Beratungen und die stets positive Atmosphäre.

Wenn wir eine Wunschliste formulieren dürften (auch wenn wir wissen, dass vieles nicht in Ihrem Verantwortungsbereich liegt), würde die folgendermaßen aussehen:

1. Weniger Bürokratie

Das Problem der überbordenden Bürokratie scheint auch vor der Schule nicht halt zu machen: Anträge, Berichte, Monitoring werden gefühlt mehr anstatt weniger, detaillierter anstatt einfacher und umfangreicher anstatt reduzierter. Dabei gibt es immer wieder Fragen, die in vielen Fällen redundant wirken. Das kostet Zeit und Energie, die an anderen Stellen dringend gebraucht würde.

2. Werteinheiten

Ein leidiges Thema aller Erasmuskoordinatoren, die ich kenne: unsere Arbeit, unser unermüdliches Engagement sollte endlich als das anerkannt werden, was es ist – ein essenzieller Teil von Schulentwicklung. Und als solcher sollten wir auch mit Werteinheiten bezahlt werden. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass viele Lehrer:innen großes Interesse an Europaarbeit hätten, aber mit der Aussicht auf keine Werteinheiten (verständlicherweise) abwinken.

3. Eigenes „Werbebudget“

Mit der Erasmusakkreditierung sollte es ein eigenes Werbebudget für Schulen geben, mit dem Flyer, Plakate, Fahnen und andere Europa-Dekoartikel angeschafft werden können, um Europa ansprechend „sichtbar“ zu machen. Natürlich könnten wir hierfür auch etwas von der Organisationspauschale abzweigen, aber im Fall unserer Schule versuchen wir jeden Euro an die Teilnehmer:innen bzw. die Betreuenden weiterzugeben.

4. Auflockerung

Manche Vorgaben sollten dringend überdacht werden: zum Beispiel, dass „Invited Experts“ nur aus dem europäischen Ausland kommen dürfen. Möchte man zum Beispiel einen Experten zum Thema Digitalisierung aus Schweden einladen, so ist dieser Besuch (3 Tage inkl. An- und Abreise) weder ökologisch noch finanziell (Honorar, Unterkunft, Flug, etc.) sinnvoll und ehrlich gesagt auch kaum machbar. Es gibt genügend Experten im eigenen Land.

5. Internationale Vernetzungstreffen

Es wäre sehr produktiv, wenn Erasmuskoordinatoren einmal im Jahr in einem internationalen Vernetzungstreffen zusammenkommen würden. Neben inhaltlichen Vorträgen könnte es dort auch die Möglichkeit geben leichter und direkter Kontakte zu knüpfen. Sollten die Bezahlung über Werteinheiten noch auf sich warten lassen, wäre dies auch eine Einladung (inkl. Kostenübernahmen) eine mögliche Anerkennung.

Das Jahr 2023/2024 wurde von der Europäischen Kommission als das Europäisches Jahr der Kompetenzen ausgerufen. Welche Kompetenzen sollten Ihrer Meinung nach bei den Auszubildenen sei es Schüler/innen oder angehenden Lehrer/innen im Vordergrund/im Fokus stehen?

Ich bin mir nicht sicher, ob sich meine Beobachtungen in Kompetenzen ummünzen lassen, aber in Anbetracht der weltpolitischen Lage und der gesellschaftlichen Spannungen in den europäischen Gesellschaften sollten meiner Meinung nach Empathie, Diplomatie und Resilienz ganz oben auf der Liste stehen. Ebenso sehe ich Entscheidungskompetenz als großes Thema in einer Welt, die eine nicht enden wollende Multioptionsgesellschaft geworden ist.

 

Weitere Infos zu dem Erasmus+ und ESK Award sowie den Gewinner-Organisationen finden Sie hier.

Ein kurzes Video zu den Gewinner-Schulen finden Sie hier.


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