60 Jahre OeAD: Upsala Zirk – Praktikum bei einem sozialen Zirkus in St. Petersburg

6. Juli 2021
Zirkusvorführung
Anselm Herold absolvierte im Rahmen seines Bachelorstudiums der Sozialen Arbeit an der FH Joanneum 2018 ein Erasmus+ Praktikum in Russland.

2019 wurde Anselm Herold Erasmus+ Botschafter im Hochschulbildungsbereich. Wir haben ihn um seine Geschichte gebeten:

"Im Herbst 2018 absolvierte ich mit Erasmus+ ein knapp dreimonatiges Berufspraktikum in Russland. Um genau zu sein, bei dem sozialen Zirkusprojekt für Kinder und Jugendliche, Upsala Zirk in St. Petersburg.

Entstanden ist der Upsala Zirk vor über 18 Jahren als Projekt für Straßenkinder in St. Petersburg. Mittlerweile trainieren mehr als 80 Kinder und Jugendliche regelmäßig beim Zirkus. Kurz gesagt will der Upsala Zirk mithilfe von Zirkuspädagogik, Sozialer Arbeit, Kreativität und Kunst das Leben von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen bzw. Kinder und Jugendlichen mit Behinderung positiv beeinflussen und ihnen als Sprungbrett ins Leben dienen.

Die Kombination aus Jugendzirkus mit sozialer Arbeit sowie meine Begeisterung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen kombiniert mit dem Umstand, in der Schule Russisch gelernt zu haben, machten den Upsala Zirk zum genialen Platz um Berufserfahrung zu sammeln.

Dank des russisch-österreichischen Sommerkollegs „Tandem“ kam ich in St. Petersburg nicht nur mit einem wieder aufpolierten Russisch an, sondern hatte auch gleich einen Freund, Sascha, der so nett war und mich vom Flughafen abholte.

Angekommen beim Zirkus ging‘s gleich richtig los für mich: Im alles anderen als eintönigen Zirkusalltag war meine Hauptaufgabe die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Da ich Jonglieren und auch die Basics von anderen Disziplinen beherrsche, verbrachte ich viel Zeit damit, beim Training unterstützen. Außerdem begleitete ich die Kinder und Jugendlichen zu Ausflügen oder half auch mal bei den Hausübungen. Ein großes Highlight war für mich, dass ich die Entwicklung einer neuen Show miterlebte. Vom Entstehen der Szenen, über Training und schließlich den ersten Auftritten für die Kinder und Jugendlichen! Es war eine sehr tolle, schöne und emotionale Erfahrung für mich, als Teil des Teams mitzuerleben, wie die Kinder und Jugendlichen mit und ohne Behinderung auf und neben der Bühne mit Begeisterung trainierten, sich anstrengten, schwitzten, auch mal frustriert waren, bis hin zur Nervosität kurz vor dem Auftritt, begleitet vom Stolz der Artistinnen und Artistinnen und den strahlenden Augen im Publikum, bei den Kinder und Jugendlichen selbst, genauso wie bei mir und allen anderen hinter den Kulissen!

Da ich mich beim Zirkus gebührend verabschieden und bedanken wollte, war ich an einem der letzten Tage gemeinsam mit den Kindern am Backen und Kochen. Gemeinsam mit etwa 20 Kindern in einer Küche Punsch, Nussecken und Nudelsalat zu machen war ganz schön laut und viel Action! Bei der Verabschiedung war es herzerwärmend, wie sehr mich die Kinder, Jugendlichen und Mitarbeiter ins Herz geschlossen hatten und ich sie natürlich auch!

St. Petersburg als Stadt ist für mich eine der schönsten in Europa! Reich an Architektur, vielfältiger Kultur und Veranstaltungen (meine Empfehlung: eine Show beim Upsala Zirk!), lässt die Stadt der tausend Brücken und Kanäle an der Newa niemals Langeweile aufkommen.

Von meinem Praktikum bei Upsala Zirk und aus St. Petersburg nehme ich ein frohes Herz voller schöner, lehrreicher Erfahrungen und Erlebnisse und die Freundschaft und Herzlichkeit toller Menschen mit. Ebenso das Wissen, dass Zirkus ein geniales Medium ist, um Begeisterung und Freude zu verbreiten und Kindern und Jugendlichen Selbstvertrauen zu schenken und neue Perspektiven zu eröffnen.

Ein solches Potenzial hat für mich auch ein Erasmus + Praktikum. Deshalb wünsche ich allen, die überlegen, mit Erasmus+ ins Ausland zu gehen, Mut zur Entscheidung und viel Spaß dabei."

Erasmus+ ermöglicht Studien- und Praktikumsaufenthalte für Studierende sowie Lehr- und Fortbildungsaufenthalte für Hochschulpersonal. Weitere Informationen.